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Die Regen-Mission Teil I


Seit zwei Wochen hatte es fast ununterbrochen geregnet. Der Himmel war ständig von grauen Wolken verhüllt. Lasse Laubfrosch hatte in dieser Zeit genaue Wetterbeobachtungen gemacht. Was hätte er auch sonst tun sollen? Bei diesem Wetter saß man eben vor allem herum und starrte in den Regen hinaus. Was sich veränderte, waren die Stärke des Windes, des Regens und die Farbe der Wolken. Meist war es sehr windig und regnete mäßig viel. Die Wolken waren ungleichmäßig grau und schnell unterwegs. Selten war es fast windstill und regnete sehr stark. Bis der Regen schließlich etwas achließ, waren die Wolken dann sehr dunkel. Manchmal hatte Lasse kurz Hoffnung, dass es vielleicht bald aufhören würde zu regnen. Einmal hatte Lasse nachts sogar ein paar Sterne gesehen und hatte gewusst, dass die Wolkendecke aufgerissen war. Er hatte schon Pläne gemacht, was er am Morgen hätte tun wollen, wenn der Regen endlich aufgehört hätte. Aber als er morgens aufgestanden war, war alles wieder grau und – es regnete! Gelegentlich gab es zur Abwechslung so starken Wind, dass man wohl von Orkanböen sprechen musste. Der Sturm war so stark, dass man glaubte, man müsste eigentlich trocken bleiben, weil alle Regentropfen weggepustet werden müssten. Was aber nicht stimmte. Lasse und seine Freunde waren jetzt immerzu nass oder zumindest irgendwie klamm. Es war trist, deprimierend und vor allem langweilig.


Am Kamin im Fuchsbau von Lasses Freundin Frieda hatten es sich die Freunde gemütlich gemacht. Lasse Laubfrosch, Nils Nachtpfauenauge, Ferdinand Fischadler, Henriette Hase, Igor Igel und Frieda Fuchs. Trockenes Holz war inzwischen aufgebraucht. Es war eine gewisse Herausforderung, rechtzeitig draußen nasses Holz einzusammeln und vor dem Kamin zu trocknen, so dass man immer Holz hatte, um das Feuer in Gang zu halten. Jeder Arm voll nasses Holz von draußen brachte Feuchtigkeit ins Haus. Ganz zu schweigen von der Regenkleidung desjenigen, der das Holz reingeholt hatte. Dazu qualmte das schlecht getrocknete Holz auch noch übel.

Sie hatten sich im Kaminfeuer Bratäpfel gemacht, Spiele gespielt, Rätsel geraten, gemalt, gebastelt und sich gegenseitig gefühlte einhundert Geschichten erzählt. Sie hatten einen riesengroßen Berg Kekse gebacken und alle wieder aufgegessen. Zweimal schon! Igor Igel hatte viele leckere Mahlzeiten in Friedas Küche gezaubert. Aber nun waren sie alle kurz vor dem Lagerkoller. Es hatte sogar schon einmal Streit gegeben, wer den Abwasch machen - durfte! So sehr nervte sie alle das untätige Herumsitzen.
„Henriette, wenn du noch einmal sagst, dass es langweilig ist, schmeiß‘ ich dich raus!“, schimpfte Frieda gerade.
Danach blieb es still und alle Freunde schauten wortlos durch Friedas Fenster hinaus in den Regen. „Das Gute an diesem verflixten Regenjahr ist ja“, versuchte Igor sie aufzumuntern, „dass die Pflanzen im neuen Bienen-Garten gut anwachsen werden.“ Ferdinand seufzte genervt.


Da klopfte es an die Tür. Frieda, Nils und Lasse zuckten vor Schreck zusammen. Die anderen glaubten, sich verhört zu haben. Keiner sagte oder tat etwas, bis es erneut klopfte, diesmal lauter, und eine piepsige Stimme rief: „Frieda, mach‘ endlich auf! Ich weiß, dass ihr da seid.“ Und nach einer kurzen Pause viel leiser und fast flehend: „Bitte seid da!“ Frieda sprang auf und öffnete schnell die Tür. Für eine kleine Feldmaus in einem klitzekleinen gelben Regenmantel.
„Mimi!“, riefen alle.

Plötzlich kam Leben in die sechs Freunde:
„Wo kommst du denn her?“
„Bist du wahnsinnig, bei dem Regen rauszugehen?“
„Was machst du denn hier?“
„Setz dich erstmal ans Feuer!“
„Nein, zuerst den Regenmantel ausziehen!“
„Magst du einen heißen Tee?“
„Natürlich mag sie einen heißen Tee!“
„Komm, ich helf dir beim Stiefel ausziehen!“
„Hier ist ein Hocker für die kalten Füße!“
„Sind noch Kekse für Mimi da?“

Schließlich saß Mimi Maus im Sessel am Kamin, in eine Decke gewickelt, die Füße auf einem Hocker zum Feuer gestreckt, eine Tasse dampfenden Tee in den kalten Pfoten, neben sich einen Teller mit Schwarz-Weiß-Gebäck.
„Danke vielmals!“, sagte Mimi.

Die Maus nahm einen vorsichtigen Schluck von dem sehr heißen Tee. „Dr. Kuh schickt mich“, begann Mimi. „Sie braucht eure Hilfe. Ich war auf dem Weg hierher natürlich zuerst bei Dr. Krähe, aber der war nicht zuhause. Ich dachte schon, ich finde niemanden, der helfen kann.“
„Worum geht es denn?“, fragte Nils. „Dr. Kuh hat einen Patienten, der dringend seine Medizin braucht. Aber Dr. Kuh kommt zurzeit nicht aus dem Stall heraus. Bauer Benno hat alle Tiere von der Weide in die Ställe geholt, weil draußen alles klitschnass und schon ganz schlammig ist. Dr. Kuh hat alles versucht, um sich rauszumogeln, aber der Bauer hat die Türen so gut zugemacht, dass nicht mal ein Huhn raus kann. Dieser Torfkopp!“ „Er hat es bestimmt nur gut gemeint“, beschwichtigte Lasse. „Er will eben nicht, dass die Tiere auf seinem Hof sich erkälten, sondern dass sie es warm und trocken haben.“ „Ja, bestimmt. Schließlich ahnt Bauer Benno ja nichts davon, dass eine der Kühe bei ihm heimlich eine Arztpraxis betreibt“, stimmte Ferdinand ihm zu. „Die hellste Kerze auf der Torte ist er wirklich nicht“, kicherte Henriette.
„Wem sagst du das!“, seufzte Mimi und verdrehte die Augen. Sie nahm noch einen Schluck Tee und erklärte weiter: „Es ist Fluch und Segen zugleich, dass Bauer Benno so ein gutmütiger Torfkopp ist. Man kommt super leicht in die Küche und kann sich etwas vom Essen holen, aber diesmal wird’s brenzlig.“
„Wie können wir helfen?“, fragte Frieda.
„Wir Mäuse sind die einzigen, die sich zurzeit durch irgendwelche Ritzen aus dem Stall schleichen können. Aber die Medizinflasche, die heute noch zu diesem Patienten gebracht werden muss, ist so groß wie ich selbst. Und schwer! Wir Mäuse können sie nicht tragen. Dr. Kuh braucht jemanden, der zum Kuhstall kommt, die Flasche unter dem Tor hindurch in Empfang nimmt und zu diesem Patienten bringt. Und das heute noch!“, wiederholte sie eindringlich.

Es trat eine Stille ein, in der alle Augen zum Fenster gingen, durch das man außer dem dichten Regen nichts sehen konnte.
„Na, dann mal los!“, sagte Henriette und schickte sich an, aufzustehen und ihre Regenjacke zu holen.
„Da wäre nur noch eine Sache“, wisperte Mimi leise und Henriette hielt inne, den Hintern halb schon vom Sessel erhoben. Alle sahen Mimi gespannt an, die sich scheinbar kaum traute weiterzusprechen.
„Dieser Patient … das ist Korelius Keiler im Großen Fichtenwald!“, flüsterte Mimi fast.


„Was machst du denn hier?“
„Setz dich erstmal ans Feuer!“
„Nein, zuerst den Regenmantel ausziehen!“
„Magst du einen heißen Tee?“
„Natürlich mag sie einen heißen Tee!“
„Komm, ich helf dir beim Stiefel ausziehen!“
„Hier ist ein Hocker für die kalten Füße!“
„Sind noch Kekse für Mimi da?“

Schließlich saß Mimi Maus im Sessel am Kamin, in eine Decke gewickelt, die Füße auf einem Hocker zum Feuer gestreckt, eine Tasse dampfenden Tee in den kalten Pfoten, neben sich einen Teller mit Schwarz-Weiß-Gebäck.
„Danke vielmals!“, sagte Mimi.
Die Maus nahm einen vorsichtigen Schluck von dem sehr heißen Tee. „Dr. Kuh schickt mich“, begann Mimi. „Sie braucht eure Hilfe. Ich war auf dem Weg hierher natürlich zuerst bei Dr. Krähe, aber der war nicht zuhause. Ich dachte schon, ich finde niemanden, der helfen kann.“
„Worum geht es denn?“, fragte Nils.
„Dr. Kuh hat einen Patienten, der dringend seine Medizin braucht. Aber Dr. Kuh kommt zurzeit nicht aus dem Stall heraus. Bauer Benno hat alle Tiere von der Weide in die Ställe geholt, weil draußen alles klitschnass und schon ganz schlammig ist. Dr. Kuh hat alles versucht, um sich rauszumogeln, aber der Bauer hat die Türen so gut zugemacht, dass nicht mal ein Huhn raus kann. Dieser Torfkopp!“
„Er hat es bestimmt nur gut gemeint“, beschwichtigte Lasse. „Er will eben nicht, dass die Tiere auf seinem Hof sich erkälten, sondern dass sie es warm und trocken haben.“
„Ja, bestimmt. Schließlich ahnt Bauer Benno ja nichts davon, dass eine der Kühe bei ihm heimlich eine Arztpraxis betreibt“, stimmte Ferdinand ihm zu.
„Die hellste Kerze auf der Torte ist er wirklich nicht“, kicherte Henriette.
„Wem sagst du das!“, seufzte Mimi und verdrehte die Augen. Sie nahm noch einen Schluck Tee und erklärte weiter: „Es ist Fluch und Segen zugleich, dass Bauer Benno so ein gutmütiger Torfkopp ist. Man kommt super leicht in die Küche und kann sich etwas vom Essen holen, aber diesmal wird’s brenzlig.“
„Wie können wir helfen?“, fragte Frieda.
„Wir Mäuse sind die einzigen, die sich zurzeit durch irgendwelche Ritzen aus dem Stall schleichen können. Aber die Medizinflasche, die heute noch zu diesem Patienten gebracht werden muss, ist so groß wie ich selbst. Und schwer! Wir Mäuse können sie nicht tragen. Dr. Kuh braucht jemanden, der zum Kuhstall kommt, die Flasche unter dem Tor hindurch in Empfang nimmt und zu diesem Patienten bringt. Und das heute noch!“, wiederholte sie eindringlich.
Es trat eine Stille ein, in der alle Augen zum Fenster gingen, durch das man außer dem dichten Regen nichts sehen konnte.
„Na, dann mal los!“, sagte Henriette und schickte sich an, aufzustehen und ihre Regenjacke zu holen.
„Da wäre nur noch eine Sache“, wisperte Mimi leise und Henriette hielt inne, den Hintern halb schon vom Sessel erhoben. Alle sahen Mimi gespannt an, die sich scheinbar kaum traute weiterzusprechen.
„Dieser Patient … das ist Korelius Keiler im Großen Fichtenwald!“, flüsterte Mimi fast.


„Es gibt eine ganze Palette an Lebewesen, die nur in Pfützen existieren können. Nach dieser Regenzeit müssten diese Tiere erst einmal genügend Pfützen finden.“
„Die Sache hat einen Haken, Igor. Ich weiß nicht, ob diese Regenzeit jemals aufhören wird. Im Moment sieht es nicht danach aus“, warf Frieda ein.
Aber Henriette fand Igors Gedanken interessant und fragte nach: „Wer lebt denn in Pfützen?“
„Soweit ich weiß, sind Pfützen richtige Kleinstgewässer mit einer ganzen Nahrungskette an Lebewesen. Es fängt an mit Bakterien, Kleinstlebewesen, dann Wasserflöhe, kleine Krebstierchen und Schnecken“, erklärte Igor.
„Genau“, setzte Ferdinand ein. „Es gibt Libellen, die in Pfützen aufwachsen, und Köcherfliegenarten, die auch nur ganz wenig Wasser zum Überleben brauchen. Und natürlich die eher lästigen Stechmücken.“
Das war Friedas Stichwort: „Da fällt mir glatt auch noch etwas Positives zum Regenwetter ein: Solange es regnet, gibt‘s keine Mückenstiche!“
Sie warf einen Blick um die Hausecke, um nachzuschauen, ob Dr. Kuh die Medizin schon hinausgeschoben hatte. Es war aber noch nichts zu sehen.
„Schwalben brauchen auch dringend Pfützen, um lehmige Erde darin zu finden, mit dem sie ihre Nester bauen können. Hab ich gehört“, ergänzte Igor.
„Gelbschlauchfunken und Molche entwickeln sich in ganz kleinen Lachen!“, sagte Henriette.
Frieda, Ferdinand und Igor mussten laut lachen.
„Gelb-Bauch-Unken heißen die!“, sagte Ferdinand kichernd. Auch Henriette lachte.
„Das weiß sie, glaube ich, sehr gut. Henriette hat nur einen Wortwitz gemacht“, antwortete Frieda. „Wir haben schon einmal zusammen Gelbbauchunken getroffen. Das war ganz cool. Die sind nämlich leider sehr selten, weil es immer weniger Pfützen gibt. Dabei bräuchten die Kaulquappen nur ein paar Wochen, um sich darin zu entwickeln.“
„Du hast Recht, Igor. Regen hat auch seine guten Seiten!“, bestätigte Ferdinand und klopfte Igor auf die Schulter.
Wieder blickte Frieda um die Ecke und winkte ihnen plötzlich mitzukommen.
„Es geht los!“, sagte sie und rannte durch den Regen zum Tor.
Eine kleine braune Glasflasche guckte unter dem Tor heraus. Igor nahm sie an sich und steckte sie in seinen Rucksack.
„Hallo?“, rief Ferdinand. „Dr. Kuh, bist du da?“
„Ja, hier bin ich“, hörten sie eine Stimme gedämpft durch das Tor. „Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ihr uns helft. Ich wusste schon nicht mehr ein, noch aus.“
„Kein Problem! Sag uns nur schnell, was zu tun ist! Hier regnet es ganz arg und wir wollen möglichst schnell weiter“, rief Frieda gegen das geschlossene Tor.
„Ja, natürlich. Wir können ja auch später reden, wenn der Bauer uns endlich wieder auf die Weide lässt. Dieser Torfkopp!“, schimpfte Dr. Kuh im Stall. „Also, das Fläschchen kriegt Korelius Keiler. Er wohnt im Großen Fichtenwald. Ihr braucht die Medizin nur in seinen Kessel zu legen. Er ist tagsüber selten zuhause, auch bei diesem Wetter. Um zu seinem Kessel zu kommen, müsst ihr einmal fast ganz durch den Großen Fichtenwald. Wenn ihr auf der anderen Seite schon die Lichter der Autos auf der Schnellstraße sehen könnt, müsst ihr euch rechts halten. Der Kessel liegt am Waldrand vor dem Bach, der aus der Stadt kommt.“
„Verstanden, Dr. Kuh! Sonst noch irgendwelche Tipps?“ fragte Igor.
„Ja“, sagte Dr. Kuh mit belegter Stimme. „Passt bitte gut auf euch auf, bei diesem Sturm im Großen Fichtenwald. Wenn es irgendwo knackt, lauft schnell los in die andere Richtung. Dort werden heute sicherlich noch einige Bäume umfallen. Und geht auf keinen Fall zu nah an die Schnellstraße! Wenn ihr die ersten Lichter seht, ist es nah genug. Dann müsst ihr rechts gehen. Außerdem, wenn es euch nichts ausmacht, kommt bitte auf dem Rückweg noch einmal hier vorbei, damit ich weiß, dass ihr sicher zurückgekommen seid.“
„Das machen wir, Dr. Kuh! Viele Grüße an alle Tiere im Stall und bis später dann!“, verabschiedete sich Ferdinand.
Im Schein einer Lampe, die durch einen Bewegungsmelder anging, liefen die vier Freunde so schnell wie möglich quer über den Bauernhof zum Hoftor, das auf die Landstraße hinaus führte und wie immer offen stand. Sie folgten der Landstraße ein kleines Stück. Dann machte sie eine große Linkskurve und die Freunde verließen die Straße.


Sie gingen geradeaus auf einem schmalen Trampelpfad zwischen zwei eingezäunten Weiden auf den Großen Fichtenwald zu, der dunkel vor ihnen lag.
„Kommt es mir nur so vor oder wird es schon dämmerig?“, fragte Henriette.
„Ich glaube, es ist noch zu früh, um Nacht zu werden. Der Himmel verdunkelt sich wohl, weil das Gewitter aufzieht, von dem alle schon den ganzen Tag gesprochen haben“, antwortete Ferdinand.
„Beeilen wir uns besser!“, sagte Frieda und ging noch ein bisschen schneller. „Sag Bescheid, Igor, wenn wir dich beim Rucksack tragen ablösen sollen!“
Sie liefen zwischen den Weiden in Richtung Wald und sahen sich dabei gelegentlich um, um hinter sich das Gewitter dunkel und drohend ausziehen zu sehen. Als sie die ersten Fichten hinter sich gelassen hatten und ins Dunkel des Waldes eingetaucht waren, wandten sie sich ein kleines Stück nach links, um den Weg zu finden, der sie auf die richtige Spur bringen würde. Hier im Wald war es stiller als auf den offenen Weiden. Der Wind brauste nicht so laut. Aber es war so dunkel, dass Igor schließlich eine Taschenlampe auspacken musste. Gelegentlich stolperten sie über abgebrochene Äste oder abgeschüttelte Fichtenzapfen. Zum Glück gab es den breiten Weg als Orientierung, sonst hätten sich die Freunde sicher schnell verlaufen. Die Baumwipfel schwankten im Wind, der über den Wald hinwegfegte, und machten dabei schabende und ächzende Geräusche, wenn sie aneinander gerieten. Der Regen schlug inzwischen so vom Himmel, dass es keinen Unterschied mehr machen konnte, ob man im Wald oder außerhalb lief. Das Wasser brach sich einfach seine Bahn durch die Zweige bis zum Boden hinunter. Henriette zuckte zusammen, als das erste Donnergrollen hinter ihnen zu hören war. Das Gewitter näherte sich rasch. Und obwohl sie es eigentlich für unmöglich gehalten hatte, schien der Sturm noch einmal an Kraft zuzulegen. Alle vier waren höchstkonzentriert, hellwach und bei jedem Geräusch auf der Hut. Als direkt vor ihnen eine Fichte quer über den Weg kippte, streckte Ferdinand, der voran gegangen war, die Arme links und rechts aus, um sie am Weitergehen zu hindern.
„Das war knapp!“, sagte Frieda.
Die Fichte blieb im Baum auf der anderen Seite des Weges hängen. Die Freunde warteten eine Weile, ob der Baum hielt, und gingen dann schnell unter der hängenden Fichte hindurch. Sie wollten nicht drumherum gehen, aus Angst den Weg zu verlieren, der sich nun immer stärker durch das Fichtendickicht schlängelte.
„War eigentlich einer von euch schon einmal hier?“, fragte Igor, als sie etwa schon eine halbe Stunde unterwegs waren.
Ferdinand antwortete, dass er den Wald bisher nur aus der Luft kannte, aber bei Gewitter ungern fliegen würde. Frieda und Henriette waren selten überhaupt auf dieser Seite des Bauernhofes. Auch Igor war zum ersten Mal im Großen Fichtenwald, wie sich herausstellte.
Nachdem sie noch mehrmals umstürzende Bäume in ihrer Nähe fallen gehört und auch gesehen hatten, aber nie mehr so nah wie beim ersten Baum, meinte Ferdinand schließlich: „Wir müssten jetzt bald in die Nähe der Schnellstraße kommen, würde ich schätzen. Man kann es natürlich schwer sagen, weil der Weg so viele Kurven macht.“
„Wir werden die Lichter der Autos sicher sehr früh sehen. Licht fällt ja ziemlich auf, wenn man ansonsten in einem schwarzen Loch steckt.“
Sie liefen noch etwas mehr als fünf Minuten weiter, als Frieda plötzlich merkte, dass es leicht bergauf ging. Unvermittelt endeten der Waldweg und auch der Wald selbst. Sie sahen die Blitze im Himmel über sich zucken. Ansonsten war es fast genauso dunkel wie im Inneren des Waldes geblieben. Frieda begriff, dass sie zu weit gelaufen waren! Die vier Freunde standen direkt an der Schnellstraße!

…Fortsetzung folgt!


Quelle:

Ina Wosnitza
Naturschutz & Naturparke, Heft 238
Mitgliederzeitschrift des Vereins Naturschutzpark e.V. (VNP)
>www.verein-naturschutzpark.de


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