Der Gewässergüte auf der Spur...
Im Rahmen von zwei spannenden Projekttagen haben die vier achten Klassen des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums aus Viersen-Dülken die Nette und den Mühlenbach zwischen Ferkensbruch und Lüthemühle besucht und als außerschulische Lernorte genutzt. Gemeinsam mit Fachleuten des Netteverbands sowie des Naturparks Schwalm-Nette untersuchten die Schülerinnen und Schüler die ökologische Qualität der Fließgewässer und erhielten dabei praxisnahe Einblicke in die Gewässerökologie.
Nach einer Einführung in die Bedeutung naturnaher Gewässer für Mensch, Tier und Pflanzen stand zunächst eine Strukturgüteanalyse des Mühlenbachs auf dem Programm. In Kleingruppen arbeiteten die Jugendlichen eng mit den Expertinnen und Experten zusammen und erfassten verschiedene Merkmale des Gewässers und seines Umfelds. Untersucht wurden unter anderem der Verlauf des Bachbetts, die Beschaffenheit der Ufer, vorhandene Strukturen wie Kiesbänke, Totholz oder Wasserpflanzen sowie die Vernetzung des Gewässers mit seiner Aue. Die Schülerinnen und Schüler konnten dabei eigene Beobachtungen einbringen und ihre Ergebnisse mit den Fachleuten diskutieren. So wurde anschaulich deutlich, wie menschliche Eingriffe die natürliche Entwicklung eines Fließgewässers beeinflussen können und welche Bedeutung strukturreiche Gewässer für die Artenvielfalt besitzen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die biologische Gewässergütebestimmung. Ausgerüstet mit Keschern, Lupen und Bestimmungshilfen entnahmen die Teilnehmenden Proben aus der Nette und untersuchten die darin enthaltenen Kleinlebewesen. Unter fachkundiger Anleitung des Naturparklehrers bestimmten die Schülerinnen und Schüler verschiedene wirbellose Tierarten und lernten die Bedeutung sogenannter "Zeigerorganismen" kennen. Das Vorkommen bestimmter Arten ermöglicht nämlich Rückschlüsse auf die Wasserqualität: So gelten beispielsweise Bachflohkrebse, Steinfliegen- oder Köcherfliegenlarven als Hinweise auf eine gute Wasserqualität, während andere Arten auch in stärker belasteten Gewässern vorkommen.
Die Jugendlichen werteten ihre Funde eigenständig aus und verglichen ihre Ergebnisse anschließend mit den Einschätzungen der Fachleute. Dabei entwickelte sich ein lebendiger Austausch über die Aussagekraft biologischer Untersuchungsmethoden und die Bedeutung langfristiger Gewässerbeobachtungen.
Naturparklehrer Christian Bruns betonte die besondere Bedeutung dieser Untersuchungsmethode:
„Die biologische Gewässergütebestimmung macht Qualität sichtbar, die man mit bloßem Auge oft nicht erkennen kann. Die im Bach lebenden Organismen reagieren sehr sensibel auf Veränderungen ihres Lebensraums und geben uns deshalb Auskunft über die Wasserqualität der vergangenen Monate. Für die Schülerinnen und Schüler ist es besonders spannend, selbst zu keschern, die Tiere zu bestimmen und daraus Rückschlüsse auf den Zustand des Gewässers zu ziehen. So wird Gewässerschutz unmittelbar erlebbar.“
Nicole Scheewe, Geschäftsführerin vom Netteverband, zeigte sich begeistert vom Engagement der Jugendlichen:
„Die Schülerinnen und Schüler haben mit großer Motivation und wissenschaftlicher Neugier gearbeitet. Solche Projekttage sind eine wichtige Investition in die Zukunft, denn sie vermitteln nicht nur Wissen über Gewässer, sondern stärken auch das Verständnis dafür, warum Natur- und Gewässerschutz uns alle angeht. Wer selbst im Bach steht, Tiere bestimmt und Daten erhebt, entwickelt einen ganz anderen Bezug zu seiner Umwelt.“

Forscherset zum Beobachten und Bestimmen von Wasserlebewesen.
Informationen zu den Unterrichtsangeboten des Naturparks Schwalm-Nette finden Sie unter: www.npsn.de/unterrichtsangebote
Fotos: © NPSN Christian Bruns